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Batmans neue Abenteuer DRITTER TEIL
  by lobotommy   5 / 2017
Anfangs lief alles noch gut. Die Sonne brannte wie Feuer auf uns herunter und der schwache, trockene Wind peitschte tausende, schlafende Bodenpartikel aggressiv gegen uns auf. Ein unwiderstehlicher Kloakenduft lag in der Luft, sehr elaboriert. Alter, modriger Kaffeesatz. Er gab der Stadt eine unverwechselbare Note. Irgendjemand musste vergessen haben, die Klospülung zu betätigen. Die Penner am Straßenrand posierten an Bushaltestellen und schmalen Ausbuchtungen als unbeweglicher Rinnsaal. Dieser Dschungel hatte seine eigenen Gesetze. Leider mussten wir meinen Wagen drei Blocks entfernt auf einem Gelände für verkehrswidrig abgestellte Fahrzeuge aufsuchen. Die Krankenschwester hatte Schnitter für diesen Fall ein paar Aufputschmittel verschrieben, wahrscheinlich weil er sie so lieb angelächelt hatte. „Es geht immer weiter. Verbrechen, Morde, Verschwörungen. Beseitigst du ein Krebsgeschwür, entstehen an anderer Stelle zwei neue.“ Batmans tief eingefurchte Maske verzog sich ein weiteres Mal auf für den Betrachter schmerzvolle Weise. „Hier, nimm eine davon und zwei von denen, du bist ja vollkommen ausgebrannt,“ Schnitter lächelte verquält und hielt beide Hände nach oben. Batman bugsierte das, was er greifen konnte ungeschickt in den Mund. „Gut kauen“, riet ihm Schnitter, der selbst noch ein Hügelchen weißes Pulver auf seiner Armlehne anhäufte und wegfegte. „Du solltest dich nicht allzu sehr verzetteln. Es geht hier in erster Linie um eine Familiensache. Was nützt dir der Blick auf den Riesenscheißhaufen. Der Riesenscheißhaufen ist nicht unsere Aufgabe. Unsere Aufgabe ist es, die Fliegen von diesem Scheißhaufen runter zu bekommen.“ „Ich unterscheide nur noch sehr ungenau zwischen Fliegen und Scheiße,“ grummelte Batman. Schnitter versuchte es mit einer Reihe klimpernder Kugeln, die er über einen Haken aus seinem falschen Rücken zog. Aus ihnen strömte ein bitterer Dampf, der einem das Gesicht verklebte. Batman schien es nicht zu bemerken. „Wir können dem nichts entgegensetzen, alter Freund. Wie sollen wir denn mit einem GESELLSCHAFTSPROZEß fertig werden? Verdammte Scheiße, da wären wir ja in Nazi-Deutschland besser aufgehoben!“ Schnitter richtete seine Stelzen auf und war sehr nahe dran am Gesicht des Flattermanns. Der Eiterhauch trocknete ihm ein paar Pickel aus: „Hast Du in Indonesien nur gelernt, wie man die hübschesten Nutten abkriegt? Scheiße, wenn Scheiße und Fliegen das Gleiche sind, dann ist es doch egal, wo man draufschlägt. Wir haben freies Schußfeld. Es ist zwar unorthodox, aber…, hey, Mickey Mouse! Verlaß’ mich jetzt nicht!“ Batman hatte für die eintrüglichen Worte seines Freundes nur noch wenig Sinn übrig. Es war wie immer, wenn er der auf langen Reisen mühevoll erlernten tautologischen Selbstkasteiung nachging. „Indonesien. Für mich war das wie bezahlter Urlaub.“

Beide zogen wir ihn vom glitschigen Bordstein ins Auto. Schnitter zog eine Plastikflasche unter dem Sitz hervor und setzte sie Batman der länge nach auf den Trichter. Zehn Minuten später waren wir auf dem Highway und das, was Schnitter den „Psycho-Trip“ nannte, begann.

Batman jagte auf dem Dach des Chevrolets innerhalb unzähliger sich verschiebender Glashorizonte einer raubeinigen, sich aber niemals entladenden Unwetterfront entgegen. Schnitter hielt mir das abgedrehte Bremspedal vors Gesicht. „Wenn wir nicht bald ankommen, wird er es nicht überleben.“ Das Auto drehte sich in einem Strudel aus schwarzen Napalmrauchbomben. „Wenn ich dir einen hohepriesterlichen Rat geben darf: Tritt aufs Gas, Mann!“ Schnitter schmiss mir das Gaspedal auf den Schoß und griff mit beiden Händen in die Konsole: „Soviel habe ich von dir gelernt!“. Das Auto ging senkrecht nach oben und verzog keine Miene. „Mix uns die Drinks!“ Ich griff in die Amaturenablage und holte Gläser, ein Päckchen Crushed-Ice und drei Flaschen hervor. Ich spürte etwas Kaltes in meinen Hals eindringen. Neben mir sah ich Schnitter weit entfernt an der Öffnung eines Blasrohrs vorbeistarren. Batman und ich betrachteten uns durch das aufschiebbare Dachfenster. Was ist Deine lieblings Deathmetal-Band? Vogelgezwitscher. Wir krümmten uns, so dass wir spiegelverkehrt auf einem der Rücksitze landeten. Neugierig verfolgte ich, worauf ich hinaus wollte. Ich nahm noch einen Schluck Gin Fizz. Batmans Leib tanzte zu einer grausigen Sinfonie der Sturmböen und des Gewitterlichts. Es zog ihn in einen gigantischen Strudel aus längst vergessener Urzeit. Sein Körper dehnte sich, bis die Beine an den Halterungen abrissen und er hinwreg geschleudert wurde, als ewig versteinerte Totenmaske, sich glorreich am grau gekachelten Himmel manifestierend. Es lachte mich aus. Wenn man merkt, dass man wahnsinnig ist, ist man es nicht. Ich sah Schnitter unter mir in der Fahrerkabine mit einer Heißklebepistole herumhantieren. Batman hatte langes, blondes Haar. Beide waren vollkommen nackt.

Ich drehte mich auf den Rücken und schaute in das dunkler werdende Grau über mir. 
Batman fuhr sich wie wild durch sein hellblondes Haar. Ich lachte hysterisch. In diesem Moment rasten wi in eine riesige, goldgelbe Gewitterwolke.

Währenddessen im Canyon: Blister zog die Ladung auf. Er hockte irgendwo nordöstlich der Stadt in einem Seidenverschlag und maß an sich die Zeit wie Menschenalter. Sein Schädeldach war durch exzessives Verabreichen byzanthinischer Alkaloide aufgesprengt und entfernt worden. Er röchelte. In diffusem Neonlicht legte sich silbriger Dunst über ihn und seine Kameraden. Ein unsichtbarer Rhythmus ließ sie kaputtgehen. Ein paar der Kerle hatten sich aus kosmetischen Gründen die Vorhaut über dem Kopf zusammengenäht. Der Froteebeschlag löste sich schwerfällig von den nassen Wänden. Breitsamer trat heran: „Ein Auftrag, Herr.“ Blister hörte. „Die drei kleinen Schweinchen wollen ihren Freund abholen. Wir haben eine Grube ausgehoben. Soll ich sie überreden, da rein zu hüpfen?“ Blister nickte. „Soll ich ein Andenken mitbringen?“ Blister wackelte heftig mit dem Kopf. „Soll ich das Puzzle vervollständigen?“ fragte Breitsamer finster. Blister quiekte und erwiderte mit einem funkelnden Blick reinster Geilheit. „So sei es.“

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